"zwar weiß er viel doch will er alles wissen / und dich zum
erkenntnisreigen bitten" - Ein neues, feines Programm erarbeitete sich das Upper
Austrian Jazz Orchestra gemeinsam mit sechs Textautoren unter dem Titel "Song - Song oder 7 Musen und 4 Laster". Die Kompatibilität zwischen zeitgenössischer
Literatur und Big Band Sounds wurde damit am 18. 1. 2009 im Porgy & Bess
eindrucksvoll bewiesen.
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Musen und Laster sind ja wahrhaft ein perfektes Thema für
die Verbindung Song-Texte und Jazz, schließlich waren die Musen in der
griechischen Mythologie die Schutzgöttinnen der Künste und letztendlich leitete
sich das Wort Musik ebenfalls von den Musen ab. Und Laster wie Trunksucht
bieten soundso seit jeher genügend Vom Untergangs-Blues und anderen Krach-Machern
Fad wurde es jedenfalls nie, im Gegenteil. Das Orchester
weiß zu begeistern und ging mit dem Textmaterial sehr feinsinnig um, so auch
das Gesangs-Duo Ali Gaggl und Tini Kainrath, die jede Menge Platz zur freien Gesangsinterpretation
erhielten. Helmar Hill machte z.B. aus "Krach-Macher", dem Text von Gerhard
Ruiss, eine wunderbare Tanzmusik, die 11 Gebote der Maßlosigkeit
Und: Nein, der Witz und der Humor kam nicht zu kurz. Im
Gegenteil. Das pflanzen und häkeln funktionierte prächtig, insbesondere im
Dialog zwischen Tini Kainrath und Christian Maurer. Das Upper Austrian Jazz Orchestra hatte also seinen
(verdienten) Karl und dementsprechend schwappte die Stimmung im zunehmend groß
aufspielenden Orchester ins Publikum. Jede Menge super Soli kamen zu Gehör - wie z.B. von Christian Bachner (Saxofon), Manfred Weinberger (Trompete) und
Primus Sitter (Gitarre) - wie auch mächtige Bass-Linien von Christian Wendt. An
die Grenzen der Machbarkeit gestellt wurden die Musiker hingegen bei den Texten "Reigen"
und "Unmaß" {sus_amazon id=B000HOL76U&pid=kulturwoche-21} |
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Stoff für Song-Texte. Dies also der rote
Faden des Programms. Zur lyrischen Feder greifen durften die zeitgenössischen
österreichischen Autoren
Bläsersätze gesetzt, und mitunter (bleiben
wir gleich im griechischen), die Metamorphose innerhalb einer Komposition
vollzogen.
jedes Radioprogramm erhellen würde. Mit
Leichtigkeit wurden hier Big Band-Sounds aus verschiedenen Epochen und Rhythmen
zu einem kostbaren, hoch melodiösen Stück verarbeitet. Hier gingen Text und
Musik stimmig einher und war sicherlich der Höhepunkt des Konzerts. So wurde
denn auch "Krach-Macher" nach der letzten Zugabe nochmals zum Besten gegeben - sicherlich nicht nur deshalb, weil
daherkam, bei dem sich die Musiker aber auch gut anhalten konnten, denn wie
heißt es darin so schön? "Die alten Plünderinstinkte funktionieren immer." Ganz
besonders beim Blues.
von Semier Insayif ob ihrer Länge. Einerseits. Andererseits
schafften die Texte Platz für Experimente, natürlich auch hinsichtlich Gesang
bzw. Rezitation, oder, wie Insayif verdichtete: "die lust am lauschen kennt
weder enthaltsamkeit noch ende / der ewige ton ist das vorenthaltene rauschen
innerer stille". Ein Musikabend für Feinhörer. (Text und Fotos: Manfred Horak)










